Alberto Miño - die neue Nummer 1 kommt aus Ecuador
 
Noch heute denkt er manchmal, er träume. Tischtennis, der Sport mit dem kleinen weißen Ball, hat ihn tatsächlich um den halben Globus gebracht. 9.962 Kilometer Luftlinie sind es von Alberto Miños Heimatstadt Guayaquil nach Köln, wo er nun als Nummer 1 der 1. Mannschaft antritt.

Die Hafenstadt im ecuadorianischen Westen ist eine echte Metropole und mit 3,6 Mio. Einwohnern deutlich größer als die Hauptstadt Quito. Aber Tischtennis gilt dort lediglich als Randsportart – auch südamerikanische Jungs wollen in aller Regel Fußballer werden. Als er sich in der Grundschule für einen Pflichtsport entscheiden musste, griff der achtjährige Alberto jedoch spontan zum Tischtennisschläger. Es war eine Entscheidung, die er nicht bereuen sollte. Denn schon zwei Jahre später war der Anfänger zum Erfolgsspieler gereift und startete für die Stadtauswahl. Mit 15 schließlich stand Alberto Mino in der ecuadorianischen Nationalmannschaft.

„Tischtennis ist unglaublich komplex, das Gefälle zwischen einem guten und einem schlechten Tag kann sehr stark sein“, erklärt er das Faszinierende an seinem Sport. „Du musst körperlich, technisch und geistig topfit agieren“, sagt er, „aber jenseits dessen brauchst du eben auch immer das entscheidende Quäntchen Glück.“ Alle Faktoren zu bündeln scheint ihm in der letzten Saison gut gelungen zu sein. Für den TTC Zugbrücke Grenzau spielte er an Brett 1 der 2. Liga eine Bilanz von 21:9. Alle vier Spiele gegen Vertreter des FC entschied er dabei für sich. Um erfolgreich zu sein, sagt Alberto, müsse man seine Nervosität in positive Anspannung umwandeln: „Du musst dich der Situation stellen und jeden Moment präsent sein.“ Abergläubisch sei er zwar nicht, aber Rituale befolge auch er: „Vor dem Spiel gehe ich in mich, Kopfhörer sind Pflicht.“ Er putsche sich jedoch nicht mit aggressiver Musik auf, sondern mit Klängen aus der Heimat: „easy Latino-Music.“

Obwohl deutlich kleiner als Guayaquil, kann er seiner neuen Heimat Köln einiges abgewinnen. Zumal er zuletzt für den kleinen Ort Grenzau antrat und dort in der westerwäldischen Provinz auch wohnte. Schon damals hatte er viel über die Offenheit Kölns gehört und die Stadt auch einmal besucht. Von seinem neuen Team fühlt er sich nun blendend aufgenommen. Das erste gemeinsame Match ging zwar verloren (4:6 gegen Hilpoltstein), aber Alberto setzt das  sportliche Ziel recht optimistisch an: „Die 2. Bundesliga ist auch in dieser Saison sehr stark besetzt. Aber wenn wir alle auf unserem höchsten Niveau spielen, können wir im vorderen Drittel landen.“
 


Alberto Miño
Geboren: 21. August 1990
In: Guayaquil, Ecuador
Größe: 1,81 m
Schlaghand: rechts
Größte Erfolge: Lateinamerikanischer U21-Meister 2010, 3. Platz Panamerikanische Spiele 2011
Beim FC seit: 2017
 


Foto: Ralf von Norsinski

21.09.2017 1. Herren

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