Der 1. FC Köln wird seine Zweitliga-Mannschaft zur Rückrunde umbauen. Die Geißböcke verlieren kurz vor Ende der Winter-Wechselfrist ihren Topspieler. Tom Jarvis, der als Nummer eins des Teams derzeit bei 11:3 Siegen steht, zieht es in die 1. Liga. Der Engländer schließt sich für die zweite Hälfe der laufenden Spielzeit dem TTBL-Klub ASC Grünwettersbach an.
Ursprünglich hatten die Kölner nicht vor, ihren Kader in der Winterpause zu verändern. Dann kam das vergangene Wochenende – und eine Anfrage des Erstligisten aus Karlsruhe. „Grünwettersbach ist auf uns zugekommen und hat starkes Interesse an einer Verpflichtung von Tom gezeigt“, sagt FC-Teamchef und -Abteilungsleiter Gianluca Walther. Und Jarvis, der durch seinen Einzug ins Endspiels beim WTT Feeder in Düsseldorf in der vergangenen Woche auf Platz 62 der Weltrangliste springen wird und im Mai sensationell das WM-Achtelfinale erreicht hatte, signalisierte seinem Verein: Er möchte die große Chance, zu einem Erstligisten und Champions-League-Teilnehmer wechseln zu können, unbedingt nutzen.
„Wir haben uns intensiv ausgetauscht, ob wir Tom zur Rückrunde freigeben wollen“, sagt Gianluca Walther. „Es war ein langes Für-und-Wider. Letztlich haben wir uns entschieden, ihm die Freigabe für einen Wechsel zur Rückrunde zu erteilen.“ Entscheidend war für Walther und seine Mitstreiter dabei die Philosophie, die der Verein mit seiner Bundesliga-Mannschaft verfolgt. „Unser Ziel war immer, entwicklungsfähige Spieler zu verpflichten und aus ihnen TTBL-Spieler zu formen.“ Das war den Geißböcken in der Vergangenheit immer wieder gelungen. Erst im Sommer wechselten Andre Bertelsmeier (Bad Königshofen) und Tobias Hippler (Grünwettersbach) in die TTBL. Mit Adrien Rassenfosse (Bergneustadt) hatte sich kurz zuvor bereits ein anderer ehemaliger Kölner in der 1. Liga etabliert. „Es ist immer wieder schade und tut auch weh, wenn uns Spieler verlassen“, sagt Walther – zumal wenn es, wie nun bei Jarvis, im Winter passiere. „Aber wir wollen auch uns und unserer Linie treu bleiben“, sagt Walther. „Wir freuen uns also für Tom, dass er sich seinen Traum, einen Stammplatz in der TTBL zu ergattern, erfüllen kann.“
In Grünwettersbach trifft Jarvis nicht nur auf den ehemaligen Kölner Hippler. Er tritt mindestens vorübergehend auch an die Stelle eines bekannten Gesichts im Kölner Tischtennis: Ricardo Walther, Nationalspieler und Bruder von FC-Abteilungsleiter Gianluca, musste sich erst vor wenigen Tagen zwei Operationen an der Bandscheibe unterziehen und wird längerfristig ausfallen. Deshalb sah sich der ASC unplanmäßig gezwungen, auf dem Transfermarkt zu handeln. Der Verein musste dabei Ausschau halten nach einem europäischen Spieler, weil der Platz des Nicht-EU-Ausländers im Grünwettersbacher Kader durch den japanischen Doppel-Weltmeister Hiroto Shinozuka geblockt ist. Bei dieser Suche stieß der ASC auf eine naheliegende Lösung: Jarvis, der längst auf TTBL-Niveau spielt.
Doch für den FC stand auch fest: Man würde Jarvis nur ziehen lassen, wenn man Ersatz finden würde. Eine schwierige Aufgabe. Es blieben nur wenige Tage bis zum Ende der Wechselfrist am 30. November – und im Winter sind kaum Spieler auf dem Markt, erst recht nicht für das Spitzenpaarkreuz der 2. Bundesliga. „Wir haben uns in dieser Woche in jeder freien Minute mit der Suche nach einem Neuzugang beschäftigt“, sagt Walther. Die Lösung ist nicht ein Spieler – sondern mehrere. In der Wechselliste werden am morgigen Montag einige Namen als Zugänge auftauchen: Tomoki Omoda, die Taiwaner Yang Chia-An und Wang Chen-You sowie voraussichtlich auch ein bis zwei europäische Spieler. Vor allem Omoda soll die Lücke schließen, die Jarvis‘ Abgang in den Kölner Kader reißt. Der Japaner wird erst im Dezember 18 Jahre alt und gehört zum Kader der japanischen Jugend-Nationalmannschaft. Noch in der Saison 2023/24 gewann er gegen den ehemaligen Kölner Topmann Bertelsmeier sowie gegen dessen deutschen Altersgenossen Wim Verdonschot, den derzeit besten Spieler der 2. Bundesliga vom SV Union Velbert. Aktuell steht Omoda bei einem TTR-Wert von 2403 auf, hat jedoch seit April 2024 kein Ergebnis in der Datenbank.
Auch wenn die Geißböcke mit Jarvis eine tragende Säule ihres derzeitigen Kaders verlieren, sind sie optimistisch, auch im neuen Jahr um die Spitzenplätze im Bundesliga-Unterhaus mitspielen zu können. „Wir sind sehr zuversichtlich, dass wir mit diesem Personalwechsel weiterhin ein schlagkräftiges Team beisammenhaben, um in jeder einzelnen Begegnung um den Sieg kämpfen zu können“, sagt Teamchef Gianluca Walther.
Come on, FC!









